>> Kirchenbußen im Elbe-Weserraum am Beispiel des Kirchspiel Scheeßel <<

Vom Tadel bis zum Schandpfahl
Hier ein kurzer Überblick über das Buch:
Die Kirchenbußen stellten über Jahrhunderte eine gesonderte "Gerichtsbarkeit" dar. Wer sich in der Kirche oder auf dem Kirchhof etwas zu Schulden kommen ließ, gegen das Kirchen¬recht oder gegen die "allgemeine Sittlichkeit" verstieß, musste mit einer empfindlichen Buße rechnen. Verstöße gegen die Kirchenordnung – wie etwa vorehelicher Beischlaf, Ehebruch, unehelich gezeugte Kinder, aber auch das Duzen eines Pastors – zogen eine weltliche Geldstrafe sowie eine für die Kirchengemeinde sichtbare Buße nach sich. Dazu gehörte auch das Anden-Pranger-Stellen.
Es veranschaulicht diese mittelalterliche Praxis am Beispiel des Kirchspiels Scheeßel. Damit dokumentiert das vorliegende Werk zugleich einen Teil der Kirchengeschichte in den reformierten Gebieten weit über die Kirchspielgrenzen Scheeßels hinweg.
Ich stellte alle von 1587-1799 verzeichneten Vergehen und Strafen aus den noch vorhanden Unterlagen zusammen. Gemeinsam mit meiner 2013 im ibidem-Verlag erschienenen Studie Gerichtsbarkeit im Elbe-Weserraum 1546-1670 (ISBN 978-3-8382-0149-8) gibt die neueste Veröffentlichung einen einzigartigen Gesamtüberblick der weltlichen und kirchlichen Gerichtsbarkeit über die Jahrhunderte in dieser Form.
 
Beide Sachbücher sind nicht nur für den an der Geschichte interessierten eine Fundgrube, sondern zeigen auch einen Teil unserer eigenen Geschichte, die sich nicht nur im Umfeld Scheeßels so, oder so ähnlich zugetragen hat.
Das neueste Werk enthält u.a. auch Stader Verordnungen und veröffentlicht die überlieferten Vergehen, für die Kirchenbußen verhängt und vollstreckt wurden. Zum Vergleich habe ich ausgesuchte Kirchenbußen aus anderen Kirchspielen im verdischen wie im bremischen (Achim, Ahausen, Bispingen, Daverden, Elsdorf, Kirchwalsede, Schneverdingen, Sittensen, Sottrum, Visselhövede) aufgeführt.
Als Ausfluss aus den Einträgen habe ich die im Raum Scheeßel stationierten Truppenteile der Jahre 1705-1799 aufgelistet, und eine alte Handskizze des Kirchorts Scheeßel von 1823 aufgenommen.
Das Buch gibt nicht nur einen weiteren Einblick in die damalige Rechtsordnung unserer Vorfahren, es ist zugleich eine Ergänzung aller bestehenden Ortschroniken im Kirchspiel, soll aber auch ein Hinweis auf die Schätze im Staatsarchiv sein. Zugleich ist es aber auch ein wichtiger Baustein zur Schulgeschichte im Kirchspiel Scheeßel, über die bereits viel geschrieben wurde.
1684ff:
- Die Kinder sollen den gantzen Winter zur Schulen (an)gehalten werden, und (in) der Sommer(zeit) wochentlich 2 Tage (zur Schule gehen). Dem Schulmeister soll das Schulgeld willig und gütlich bey Verwendung der Extension (...) gegeben werden.
- Den von S. Sähmtlich resolvierten39 (Gesamtbeschluss) Catechismen Luthers ex. (Explanatur=Übersetzung der) Editione (editio=Sammlung) novissima40 Glaubens in der Schule und Kirchen einzuführen.
- Von Michaeli (29. September) biß Ostern sollen die Kinder alle Werktage (Mo-Sa) des Sommers aber 2 Tage in der Woche in die Schule gehen.
 
In dem Buch ist der Beleg enthalten, dass es bereits 1617 in Scheeßel eine Schule wie eine Landschulpflicht gab.
 
Was für das Kirchspiel und die Vogtei Scheeßel galt, ist nur beispielgebend für den Elbe-Weserraum.

 

Einblicke:


 
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